Ein Hexenprozess aus dem Havelland - auch wir haben Geschichte...
Eine der grausigsten Erscheinungen des Mittelalters, die ihre düsteren Schatten noch in unsere aufgeklärte Zeit wirft, sind die Hexenverfolgungen. Die Ursache dafür lag in dem Irrwahn, dass es Menschen gäbe, die mit übernatürlichen Kräften ausgerüstet seien, welche sie vom Teufel oder bösen Geistern empfangen hätten.
Dass auch unsere Gegend in diesem Trauerspiel mitwirkte, beweist die Verhandlung, welche im Schulzengericht zu Semlin vom kaiserlichen Notar Abraham Wiegerdt aus Rathenow aufgenommen wurde.
Da aber die adlige Gerichtsobrigkeit bei schweren Verbrechen, zu denen auch die Hexerei zählte, nicht zuständig war, wurden die Akten zur Entscheidung dem Schöppenstuhl zu Brandenburg übersandt.
Anna Rahns, die Frau von Kasper Roppien, wurde beschuldigt, einem Leineweber aus Ferchesar, namens Andreas Dielass, ein halbes Pfund Butter verkauft zu haben, welches mit Haaren und Wolle verunreinigt war.
Dieser soll die Butter seinem Freund Hans Schönemann überlassen haben.
Nach ausführlichen Zeugenaussagen, die die verunreinigte Butter bestätigten, wurde die Kasper Roppiensche befragt.
Sie stritt vor Gericht alles ab, sie habe nur Salz in die Butter getan. Der Teufel oder einer, der Ihr nicht gut wäre, hätte wohl die Hand im Spiel und ihr die Butter verfälscht.
Dem Leineweber habe sie reine Butter verkauft, und wenn sie wüsste, wer dafür verantwortlich sei, würde sie ihn brennen lassen.
Offensichtlich widerstand sie nicht der Folter des Schöppenstuhls zu Brandenburg.
Anna Roppien wurde vom hohen Gericht für schuldig befunden und verurteilt.
1672 wurde sie als letzte Hexe in Rathenow öffentlich verbrannt.